Lebensversicherung: Kündigen oder nicht kündigen ? das ist hier die Frage

vor 4 Jahren in Service, Anzeige
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Lebensversicherungen haben in letzter Zeit einen schlechten Ruf bekommen: In Anbetracht der niedrigen Zinsen ist das wenig verwunderlich. Als attraktive Vorsorgeform wurden sie längst von anderen Maßnahmen verdrängt. Aber die Situation ist komplexer: Während neue Verträge tatsächlich wenig Rendite abwerfen und die versprochenen Leistungen kaum noch erreicht werden können, sind einige Altverträge sprichwörtlich „Gold wert“. Ein Überblick.

Alter oder neuer Vertrag?

Bevor Versicherte irgendwelche weiteren Schritte wagen, sollten sie in jedem Fall genau die Konditionen ihres jeweiligen Vertrags prüfen: Ist der Vertrag beispielsweise vor 2005 geschlossen worden, können sich – verglichen mit den heutigen Lebensversicherungen – regelrecht traumhafte Zinssätze ergeben. Zwischen 2,75 und 4,0 Prozent lag die Verzinsung einst, heute hingegen versprechen die Versicherungsunternehmen meist nur maximal 1,25 Prozent Zinsen für Kapitallebensversicherungen. Ebenso müssen solche Altverträge aus der Zeit vor 2005 nicht versteuert werden, damit sparen Versicherte die inzwischen üblichen 25 Prozent Steuern. Wer noch eine solche Lebensversicherung besitzt und dafür fleißig eingezahlt hat, sollte sich gut überlegen und genau prüfen, ob er die Versicherung tatsächlich kündigen möchte. Anders sieht die Situation bei neuen Verträgen aus: Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärt, könnten die garantierten Leistungen „bei neuen Verträgen oft nicht einmal mehr ausreichen, um die Einzahlung zu erhalten“.

Was also tun?

Bei renditestarken und steuerfreien Altverträgen lohnt sich die Kündigung der Lebensversicherung nur selten: Wer das Geld dringend benötigt, finanziell die Einzahlungen nicht mehr tragen kann und/oder generell mit einem Rückkauf liebäugelt, kann auch andere Optionen erwägen. Der Ratgeber von Volders informiert über vier Alternativen zur Kündigung: So können Versicherte die Lebensversicherung auch beitragsfrei stellen, die Beiträge stunden, die Versicherung verkaufen oder die Versicherungssumme verringern. Jede Option bietet ihre Vor- und ihre Nachteile und sollte ebenso gut abgewogen werden wie die grundsätzliche Entscheidung zu einer Kündigung. Diese Möglichkeiten können aber rentabler sein, da beispielsweise im Falle einer Kündigung in der Regel nur ein Bruchteil der eingezahlten Summe zurückgekauft wird. Trotzdem kann auch eine Kündigung sinnvoll sein – zum Beispiel dann, wenn klar wird, dass die Versicherten ihr eingezahltes Geld nicht mehr komplett wiederbekommen. Gründe dafür können eine unrentable Versicherungsart, zu hohe Kosten des Versicherers (beispielsweise beim Vertrieb oder in der Verwaltung) und/oder eine zu kurze Vertragslaufzeit sein. Die FAZ nennt einen weniger als 20 Jahre laufenden Vertrag als Kapitalversicherung mit Todesfallschutz als Beispiel für einen solchen Fall, bei dem ein Rückkauf der Police und der anschließende Abschluss eines Ratensparvertrags mit möglichst guter Verzinsung sinnvoller sein kann.

Fazit

Versicherte sollten sich in jedem Fall ihren Vertrag noch einmal genau anschauen und erst nach gründlicher Abwägung der individuellen Situation weitere Schritte planen: Ist der Vertrag vor 2005 geschlossen worden? Wie hoch ist der Zinssatz? Welche Summe wird mindestens und welche im besten Falle ausgezahlt? Unter Umständen kann auch eine unabhängige Beratung helfen, Antworten auf diese Fragen zu finden.

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