Morbus Bechterew: Hilfe zur Selbsthilfe aus der Region

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RainerSturm / pixelio.de

Die Betroffenen leiden unter starken Rückenschmerzen, Entzündungen, drohender Verknöcherung und Verkrümmung der Wirbelsäule: Morbus Bechterew ist eine chronische verlaufende Erkrankung der Wirbelsäule – und für die Patienten äußerst quälend.

In Deutschland ist zirka ein Prozent der Bevölkerung von Morbus Bechterew betroffen. Hervorgerufen wird die Krankheit durch eine Fehlregulierung des Immunsystems, auch eine erbliche Komponente kann eine Rolle spielen. Tragisch ist: Die Diagnose Morbus Bechterew wird häufig erst nach Jahren des Leidens getroffen, weil viele Ärzte die Symptome zunächst im Orthopädischen vermuten.

Von Arzt zu Arzt – sieben Jahre lang

So musst es auch Ludwig Hammel (58) aus Schweinfurt erleben, heute Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB). Als bei ihm das erste Mal Beschwerden auftraten, vermutete der damals 23-jährige zunächst eine Zerrung. Nachdem die Schmerzen nicht besser wurden, suchte Hammel den Weg zur Allgemeinmedizinerin. Die anschließende Überweisung der Ärztin war der Beginn einer Tournee durch diverse Praxen: „Die hat mich von einem Arzt zum anderen geschickt, aber niemand konnte sich meine Probleme erklären.“

Sieben Jahre dauerte es, bis bei Hammel die richtige Diagnose gestellt wurde. Bis dahin behalf er sich mit Krankengymnastik, Tabletten und Massagen. Aber selbst nach der Diagnose war sein Martyrium nicht beendet: Nach einem Dauerschub folgten 13 Reha-Maßnahmen, jeweils über mehrere Wochen. Danach wurden Hammel nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) verschrieben – Medikamente, die wegen ihrer heftigen Nebenwirkungen heute zum Teil gar nicht mehr auf dem Markt sind. Erst eine OP an seiner verkrümmten Wirbelsäule und neuartige Biologika-Mittel brachten Ludwig Hammel endlich Linderung.

Unterstützung auf lokaler Ebene: Anlaufstellen für Betroffene

Seitdem Ludwig Hammel seine Krankheitsgeschichte durchleben musste, ist viel geschehen. Unter dem Schirm der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V., der Hammel heute vorsitzt, ist mittlerweile ein großes Netzwerk zur Selbsthilfe von Betroffenen entstanden. So bietet die Gruppe Würzburg des Landesverbandes Bayern Mitgliedern Termine zur Wasser- und Trockengymnastik an, um die funktionelle Beweglichkeit zu erhalten. In Haßfurt gibt es eine Funktionstrainingsgruppe, die neben den Trainingsterminen auch Wanderungen und Ausflüge mit Mitgliedern und Angehörigen durchführt. Einen Überblick über alle örtlichen Gruppen des Landesverbandes Bayern finden Sie hier.

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