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Kitzingen: Siegfried Wilke wird Ehrenbürgerwürde aberkannt

vor einem Monat in Lokales
Das Rathaus in Kitzingen mit dem Marktplatz
Foto: Funkhaus Würzburg

Der Stadtrat in Kitzingen hat dem ehemaligen Oberbürgermeister Siegfried Wilke die Ehrenbürgerwürde aberkannt. Die Entscheidung fiel am Donnerstagabend einstimmig. Grund ist, dass Wilke das NS-Regime unterstützt hat, um seine Macht in der Stadt zu behalten. Schon im September hatte der Kitzinger Stadtrat deshalb einstimmig beschlossen, die Siegfried-Wilke-Straße umzubenennen.

Neuer Straßenname steht schon fest

Die neue Namensgeberin ist Dagmar Voßkühler – eine ehemalige Grundschullehrerin, die sich gegen das Vergessen der NS-Verbrechen eingesetzt hat. Ihr Vater war Oberst Georg Hansen, der 1944 am Hitler-Attentat beteiligt war und hingerichtet wurde.

Wilke fehlte Distanz zum NS-Regime

Siegfried Willke war von 1930 bis 1945 Bürgermeister, später von 1952 bis 1958 Oberbürgermeister von Kitzingen. Er wurde mehrmals für seine Verdienste geehrt – zum Beispiel mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 1961 wurde Wilke zum Ehrenbürger der Stadt Kitzingen.

Besonders der Fall Benno Oppenheimer zeigt Wilkes fehlende Distanz zum NS-Regime: Der jüdische Kitzinger Viehhändler kam 1933 auf Anordnung Wilkes in Schutzhaft – angeblich, weil er Kontakte zu Kommunisten pflegte. Oppenheimer wurde kurz darauf ins KZ Dachau verlegt. Mehrere Gesuche um Haftentlassung lehnte Wilke ab. Im Jahr 1940 nahm sich Benno Oppenheimer verzweifelt in Dachau das Leben.