Anzeige

Mainfranken: Halbes Jahr Corona-Impfungen - das ist der Stand

Topnews
vor 2 Monaten in Lokales
Impfung Spritze gegen das Coronavirus wird aus Fläschchen gezogen
Foto: pixabay.com

Ein Piks zurück zur Normalität. Das war die Hoffnung, als vor einem halben Jahr die Corona-Impfungen auch bei uns in Mainfranken begonnen haben. So ist der aktuelle Stand.

Wer ist bisher geimpft?

In Stadt und Landkreis Würzburg haben (Stand 23.6.) 142.100 Personen im Zentrum, beim Arzt oder in einer Klinik die erste Corona-Impfung erhalten. Das sind 47,8 Prozent der Einwohner. Zwei Corona-Impfungen haben dort mittlerweile 100.700 Würzburger bekommen. Das sind 30,7 Prozent der dort Lebenden.

Sowohl die Erst- als auch die Zweit-Impfquote vom Raum Würzburg liegen unter dem Bayern- und Deutschlandschnitt. Zuvor hatte Würzburg diese teils noch übertroffen. Stand Freitag waren in ganz Deutschland rund 52,9 Prozent der Menschen einmal und etwa 34,1 Prozent zweimal gegen Corona geimpft. In Bayern hatte zu dem Zeitpunkt genau die Hälfte der Menschen die erste Impfung, weitere rund 33,8 Prozent die zweite Impfung erhalten.

Blick nach Kitzingen und Main-Spessart:

Im Landkreis Kitzingen sind (Stand 24.06.) rund 46.600 Menschen im Impfzentrum oder beim Hausarzt bisher gegen Corona geimpft worden. Das entspricht etwa 51,1 Prozent der Einwohner. Hier liegt Kitzingen über dem Bayern- aber unter dem Deutschlandschnitt. Zwei Impfungen haben in Kitzingen im Zentrum oder beim Hausarzt mittlerweile rund 32.600 Menschen bekommen. Das sind etwa 35,8 Prozent der Einwohner. Das sind mehr Menschen als im Bayern- und Deutschlandschnitt.

In Main-Spessarts Impfzentren und beim Hausarzt sind (Stand 25.06.) rund 59.400 Menschen einmal gegen Corona geimpft worden. Auf alle Einwohner gerechnet sind das etwa 47,1 Prozent. Das ist weniger als der Bayern- und Deutschlandschnitt. Dazu kommen rund 40.100 Personen, die im Impfarzt und beim Hausarzt die zweite Impfung bekommen haben. Das sind rund 32,4 Prozent der dortigen Einwohner und damit weniger als durchschnittlich in Bayern und Deutschland.

Welche Prio-Gruppe wird geimpft?

In ganz Mainfranken finden nun Erst-Impfungen der Prio-Gruppe 3 statt. Das sind Personen ab 60 Jahren, Menschen mit besonderen Vorerkrankungen und spezielle Berufsgruppen – unter anderem Polizisten, Apotheker und Supermarktangestellte. In Würzburgs zwei Zentren sind nach Angaben von Christoph Zander, dem leitenden Impfarzt, noch einzelne Personen der Prio-Gruppe zwei nicht geimpft. Diese seien aber unter 16 Jahre alt, weshalb sie noch nicht geimpft werden dürften. Die ständige Impfkommission empfiehlt, Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren nur gegen Corona zu impfen, wenn bestimmte Vorerkrankungen vorliegen und deshalb ein schwerer Erkrankungsverlauf erwartet wird. Zander vermutet, dass allen Würzburgern bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot für die Erst-Impfung gemacht werden kann, nicht aber für die Zweit-Impfung. Kanzlerin Merkel hatte versprochen, jedem Bürger ein solches Angebot bis dahin machen zu wollen.

Was sagen die Landräte aus Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen und Würzburgs Oberbürgermeister zur aktuellen Lage?

Die Politiker sind sich einig: Sie sind weitgehend zufrieden mit dem aktuellen Corona-Impfstand. Sie bedauern jedoch den Impfstoff-Mangel. Wäre mehr Impfstoff gekommen, könnten schon weitaus mehr Menschen geimpft sein, betonen sie. Kitzingens Landrätin Bischof hofft angesichts der niedrigen Inzidenzen trotzdem auf einen Sommer ohne große Corona-Einschränkungen. Würzburgs Oberbürgermeister Schuchardt und Landrat Eberth wünschen sich, dass die Corona-Variantem Delta (ehemals indisch) sich nicht zu schnell ausbreitet.

Wann wird wieder mehr geimpft?

Seit vergangener Woche gibt es in Mainfranken wieder Corona-Erstimpfungen, weil mehr Impfstoff geliefert wird. In den Würzburger Zentren soll es in den kommenden Wochen zwischen 9.000 bis 11.000 Impfungen pro Woche geben. 12.000 Impfungen sind dort maximal möglich.

So liefen die Impfungen in Stadt und Landkreis Würzburg:

Wie lief das erste halbe Jahr in den Würzburger Impfzentren?

Laut Zander lasse es sich in drei Phasen unterteilen. Die erste Phase war seiner Meinung nach die stressigste. Dabei ging es um die Planung, noch ohne Impflinge. Stadt und Landkreis Würzburg bekamen den Auftrag Impfzentren zu errichten. Trotz immer wieder neuer Vorgaben von Bund und Freistaat war das Zentrum auf der Talavera und auch das in Giebelstadt am 15. November betriebsbereit. Die zweite Phase begann am 26. Dezember. Dann bekam Würzburg den ersten Corona-Impfstoff, er wurde von hier auch teils in andere Teile Unterfrankens transportiert. Geimpft wurde im Raum Würzburg erstmals am 27. Dezember – 200 Dosen. Davon ging die Hälfte an die Uniklinik Würzburg und die andere Hälfte an drei Altenheime. In der dritten Phase nahmen dann die Impfstofflieferungen zu. Es wurden bis zu 11.000 Würzburger pro Woche geimpft. Die Impfstofflieferungen wurden aber wieder geringer – vor allem im Mai gab es starke Einbrüche. Nach und nach verabreichten auch Haus-, danach Betriebsärzte Impfungen. Dabei sei die sowieso schon geringe Menge Impfstoff weiter aufgeteilt worden, betonte Zander. Erst seit Mitte Juni gibt es in Würzburgs Zentrum wieder Corona-Erst-Impfungen. Bei den Ärzten waren diese auch in den vergangenen Wochen möglich. Diese bestellen ihren Impfstoff separat.

Welche Probleme gab es?

Die Würzburger Impfzentren kämpften laut Zander vor allem mit organisatorischen Problemen – unter anderem wurden Impfintervalle verändert, aber auch die Diskussion um AstraZeneca sorgte für Umdisponieren. Auch baulich gab es Probleme – das Impfzentrum auf der Talavera ist Bayerns größtes freistehendes Impfzelt, der Hangar in Giebelstadt sehr groß. Zu-Impfende und Mitarbeiter hätten deshalb mit Kälte und Hitze zu kämpfen gehabt. Mitte Juni musste das Würzburger Impfzentrum schließen, weil die Feuerwehr mittels Wasser nicht mehr von außen kühlen konnte. Seit vergangenem Donnerstag gibt es eine Klimaanlage. Ein neues Problem ist, dass mittlerweile viele Menschen über Ärzte geimpft worden sind. Häufig löschten sie aber ihren Account danach bei impfzentren.bayern nicht. Das sei aber zwingend nötig, sonst müssten andere Impfwillige länger warten als nötig.

Wie ist die Stimmung?

Generell seien die Würzburger immer noch gewillt, sich gegen Corona impfen zu lassen, betonte Zander. Nun sei es wichtig, die Menschen vom Impfen zu überzeugen, die noch skeptisch sind. Argumente sind laut ihm: Bisher hätten die Impfungen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen zur Folge und es seien vermutlich viele Ansteckungen verhindert worden.

Immer wieder stellen die Impfzentrums-Mitarbeiter fest, dass es noch Skepsis gegenüber AstraZeneca-Impfungen gibt. Personen über 60 Jahren wünschten häufig die Zweit-Impfungen mit einem anderen Impfstoff. Weil es aber keine Impfstoff-Wahl gibt, sei das bei Personen über 60 Jahren nicht möglich.

Was kostet eine Impfung im Impfzentrum?

Die Würzburger Impfzentren standen in den vergangenen Monaten immer wieder in der Kritik. Lohnen sie sich angesichts der geringen Auslastung? Das war die Frage. Zander hat gerechnet und geht davon aus, dass eine Impfung im Zentrum zwischen 25 und 50 Euro koste, wenn dieses zu 80 Prozent ausgelastet ist. Ähnlich seien die Kosten bei den Hausärzten. Zander mahnt aber auch, wenn Impfzentren einmal schließen, seien sie nicht so schnell wieder aufzumachen. Nach jetzigem Stand sollen sie bis zum 30. September bleiben. Die Politik hätte aber schon eine Verlängerung signalisiert.

Stehen schon Auffrischungsimpfungen, also Dritt-Impfungen, an?

Nein, dieses seien noch kein Thema, betonte Zander. Es gäbe zwar Gespräche, ob eine Auffrischung bei Älteren nach sechs bis acht Monaten sinnvoll sei, dazu fehlten aber die Daten. Wichtig sei aber, dass auch Geimpfte nie hundertprozentigen Schutz vor Ansteckungen hätten, erklärte Zander.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Hier kann Zander nur berichten, was er mitbekommen hat. Viele Nebenwirkungen treten demnach erst zu Hause auf. Zu Beginn der Impfkampagne wurden vor allem Ältere geimpft. Bei ihnen habe es oft Kreislauf-Zusammenbrüche oder Bluthochdruck gegeben, auch Übelkeit und Schwindel seien ein Thema gewesen. Jetzt sind Jüngere dran. Hier beobachte man häufig, dass der Blutdruck absackt. Besonders viele junge Frauen habe es zuletzt getroffen. Generell würden nun auch weniger allergische Reaktionen beobachtet. Gründe hierfür kennt Zander nicht. Typische Nebenwirkungen seien bei Personen allen Altes Schmerzen an der Einstichstelle, Grippesymptome und Kopfschmerzen.

Besonders tragischer Fall:

Mitte März verstarb ein 82-jähriger Senior nach seiner Corona-Impfung auf dem Parkplatz der Talavera. Der Mann war mehrfach vorerkrankt und die Impfung nicht Ursache für seinen Tod. Das bestätigte eine Untersuchung. Demnach war eine Herz-Vorerkrankung des Seniors der Auslöser. Der Mann wollte sich impfen lassen, um seine Enkel wiedersehen zu können. Generell wird Herz-Vorerkrankten nicht von der Impfung abgeraten.