1,2 Milliarden Euro – das ist die Summe, die in Deutschland allein im Jahr 2017 durch In-App Käufe umgesetzt werden konnte. In-App Käufe, das sind Ausgaben, die nach dem eigentlichen Download des Spiels in diesem getätigt werden, um beispielsweise Funktionen oder Spielgeld nachzukaufen, die Vorteile im Spielverlauf bieten. Diese 1,2 Milliarden Euro sind 79% des Gesamtumsatzes von 1,5 Milliarden Euro durch mobile Apps. Nur 232 Millionen fielen dabei auf Kaufpreise vor dem Download an. Das sind Zahlen, die der ganzen traditionellen Spieleindustrie die Augen überquellen lassen.

Es ist auch eigentlich für kaum noch jemanden ein Geheimnis: Die Spiele-Zukunft ist mobil und die traditionellen Spielekonsolen haben zwar noch ihren Platz in der Spiele-Welt, allein durch ihre im Vergleich wesentlich größere Rechenleistung, trotzdem geht der Trend hin zum Spielen zwischendurch, ohne, dass man die Konsole anschmeißen muss, den Fernseher braucht oder überhaupt zu Hause sein muss.

Der richtige Riecher

Natürlich schlafen auch die Anbieter aus dem stationären Bereich nicht, so gibt es zahlreiche Angebote wie Remote Play für die PlayStation oder mobile Minikonsolen wie den Nintendo DS oder aktuell die Nintendo Switch, die das Spielen an der Konsole aus der Ferne anbieten oder sogar mobile Konsolen sind. Die beste Spielekonsole ist aber bekanntlich die, die man immer bei sich trägt und da im Jahre 2018 so gut wie jeder ein Smartphone besitzt und immer dabeihat, ist das Handy als Konsole die einfachste, beliebteste und zukunftsorientierte Plattform für Spiele.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Riesen der stationären Branche in den mobilen Markt vorstoßen. Allen voran hat die japanische Firma Nintendo schnell gemerkt, dass ihre traditionsreichen Spieletitel wie Super Mario und Pokémon mobil ein riesiges Potenzial entfalten können. Dabei sind die besagten Titel nicht rechenhungrig und leben von ihrer einfachen Grafik. Damit hat Nintendo regelrecht einen offenen Nerv getroffen und Pokémon Go sowie Super Mario Run waren und sind, begleitet von riesigen Marketing Kampagnen, ein spektakulärer Erfolg.

Die Übertragung von Spielen von einer Plattform zur anderen folgt dabei Beispielen aus anderen Bereichen der Spiele-Unterhaltung wie dem von Online Casino Spielen. Die mobile Casino-Spiele Revolution stoppt ebenfalls nicht am traditionellen Spielen in realen Casinos. Stattdessen hat die iGaming Industrie ebenfalls die große Bedeutsamkeit des Mobilmarktes erkannt und bietet ihre Services in einer entsprechend für mobile Geräte optimierten Version an. Bei vielen Anbietern ist es zudem nicht mal notwendig, eine Software oder App herunterzuladen. Die Entwicklung mobiler Browser und Plug-Ins macht es möglich, dass eine Runde Blackjack oder Roulette einfach vom Sofa aus im mobilen Browser gestartet werden kann.

Trotzdem gibt es noch immer verschiedene Aspekte, in denen Smartphones von Natur aus ihren großen Brüdern, den Konsolen, hinterherhinken. Es folgen dazu einige Beispiele.

PS wie Prozessor-Stärke

Bild: pixabay.com

Dazu gehört wie angesprochen die Rechenleistung, für die auf der Hardwareseite in stationären Konsolen einfach viel mehr Platz ist und dadurch, dass sie nicht auf Portabilität ausgelegt sind, der Stromverbrauch kein primäres Problem darstellt. Die Konsolen dürfen den primären Zweck des Gamings erfüllen, wodurch sie klobig, groß, schwer und kabelgebunden sein dürfen. Keiner verlangt schließlich, dass man eine PlayStation oder Xbox zum Telefonieren in der Tasche dabeihaben muss. Dadurch werden sich stationäre Konsolen mit ihrer wegweisenden Computergrafik immer hervorheben können und große Open-World Titel werden auf Konsolen immer vielseitiger, faszinierender und spektakulärer sein als auf mobilen Handsets, da Einschränkungen wie Grafikleistung und Akkulaufzeit für die Spielkonsolen keine Rolle spielen.

Oft aber ist ein grafischer Umfang überhaupt nicht notwendig, der Spielspaß überträgt sich schon über eine lustige Story oder ein ansteckendes Spielprinzip. Hier profitieren mobile Spiele dadurch, dass sie schnell zwischendurch gespielt werden können und kaum Vorbereitungszeit oder viel Freizeit benötigen. Zudem wirkt das Moore’sche Gesetz für beide Plattformen und Titel. GTA III beispielsweise, welches unter PlayStation-2-Zeiten noch zu den Toptiteln gehörte, lässt sich inzwischen längst auf Smartphones spielen. Die Hardware-Schmieden sind eben mittlerweile schon in der Lage, eine beeindruckende Rechenleistung energieeffizient auf kleinstem Raum unterzubringen.

Mehr sehen, heißt mehr fühlen

Auch dadurch, dass Konsolen an Fernseher angeschlossen werden, entsteht ein deutlich immersiverer Eindruck beim Spielen als an einem kleinen Smartphone-Bildschirm. Da hilft auch nur wenig, dass die Handys in den letzten Jahren immer größer werden, die Ränder dünner, die Auflösung höher und meist die Panelqualität des eigenen Handys die des Fernsehers zu Hause deutlich übersteigt. Smartphones müssen trotzdem in die Hosentasche passen und werden dadurch nie die Immersionsrate von TV-Panels mit 130 bis 200 cm Bildschirmdiagonale erreichen.

Doch auch in der Welt des Smartphone-Gamings ist man sich dieser Tatsache bewusst und die neue Revolution von Virtual Reality (VR) lässt Spieler auch am Handy in digitale Welten eintauchen, in 3D, 360° und immersiver noch als jeder Fernsehbildschirm. Manche VR-Brillen lassen sich auch über das Smartphone betreiben und so eröffnet sich die virtuelle Realität für die gesamte Breite von mobilen Apps, die der Play Store zu bieten hat, und das sind über 3,7 Millionen, von denen viele Spiele bereits für VR angepasst sind.

Moderne Wege für klingelnde Kassen

Ein weiterer Vorteil der Konsolenspiele, von dem die Entwickler für Smartphone-Spiele nur träumen können, sind die Preise, die die Kunden bereit sind, nur dafür zu zahlen, dass sie diese Titel überhaupt spielen können. Typische Triple-A Konsolen-Titel sind kaum unter 70€ zu bekommen und Spezialversionen mit Extra-Inhalten kosten gut und gerne über 100€. Dazu bleibt die Möglichkeit, weitere Einnahmen über In-Game Käufe zu erreichen, durch das Angebot von Spielgeld oder Ausrüstungsgegenständen, die durch echtes Geld freigeschaltet werden können.

Bild: Matthew Kwong, Lizenz: free

In den mobilen App-Stores ist die Mentalität einfach eine andere. Zu Anfangszeiten des Marktes für Apps im Jahr 2008 waren die Preise noch stark an bisher erhältlicher Software orientiert. Ein Spiel kostete nicht selten 4,99€ oder sogar 9,99€. Ähnliches setzte sich fort, als Apps speziell für Tablet Computer erschienen. Oft waren diese damals begleitet von einer Lite-Version, die kostenlos herunterladbar war, damit die Funktionalität vor dem Kauf getestet werden konnte.

Immer jedoch zeigte sich nach einiger Zeit, dass die Kunden nicht bereit waren, entsprechende Preise für kleine Apps zu bezahlen, auch wenn sie einen nützlichen Service boten und gute Rezensionen erhielten. Die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück. Kostenlose Apps hingegen wurden zur Norm und das Freemium-Modell, bei dem der Download einer App kostenlos war, im Laufe des Spiels aber schnell der Einsatz von Spielgeld hilfreich oder sogar notwendig wurde, um frustfrei weiterspielen zu können, erwies sich als eine Goldgrube für App-Entwickler. Das Modell erlebte eine wahre Goldsucher-Zeit bis die Märkte so überschwemmt waren und die Kunden so angenervt, dass „Old-School-Bezahl-Apps“ wieder einen zweiten Frühling erlebten. Dazu trug natürlich auch bei, dass mit Freemium oft auch der Verkauf von personenbezogenen Daten und nervende Werbung einherging. Die Kunden wollten nicht länger selbst das Produkt sein und wähnten sich bei Bezahl-Apps in verantwortungsvolleren Händen.

Die Zukunft der Spiele

Die Preise von Konsolentiteln werden mobile Apps nie erreichen, auch wenn viele der neuen Spiele auf Smartphones durchaus grafisch wie künstlerisch einen gewissen Wert hätten. Oft wird auch noch heute auf kostenlose Downloads gesetzt.

Bild: Jye B., Lizenz: CC0

Im Produktivitätsbereich hat sich zudem das Abo-Modell als wieder salonfähig bewiesen. Einige wenig seriöse mobile Spiele versuchen bereits, diesen Weg einzuschlagen, vielleicht auch nur eine Frage der Zeit, bis das Modell bei Mainstream-Spielen angekommen ist.

Sowohl Konsolentitel als auch Spiele-Apps haben ihre Daseinsberechtigung und auf kurze Sicht wird die eine Plattform die andere nicht verdrängen. Dazu hat die Konsole grafisch und immersiv noch immer zu sehr die Nase vorn. Das Moore’sche Gesetz hingegen lässt die Rechenleistung alle rund 18 Monate um 100% steigen und die Frage ist, ab welchem Punkt mobile Geräte eine solche Leistung besitzen, dass sich stationäre Konsolen kaum noch lohnen. Bereits jetzt gibt es für fast alle Vorteile der Konsolen respektable Alternativlösungen im mobilen Bereich. Es bleibt sicherlich ein spannender Wettlauf, ob allerdings unsere Nachkommen in zweiter Generation noch aktiv Konsolenspiele spielen, steht in den virtuellen Sternen.

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