Grundsätzlich ist dies ja nichts Neues: Ungesunde Ernährung zieht eine schlechtere gesundheitlichere Verfassung und im schlimmsten Fall gar einen verfrühten Tod nach sich. Doch die Zahlen, die nun in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift »Lancet« veröffentlicht wurden, können dem einen oder anderen dennoch schon mal ins Mark gehen: Rund 11 Mio. Menschen sterben angeblich weltweit pro Jahr an den Folgen ungesunder Ernährung.

Ernährung hat Einfluss auf Krankheit und Sterblichkeit

Die im Lancet veröffentlichte Studie „Global Burden of Disease“ (GBD) fand heraus, dass das Sterbe- und Erkrankungsrisiko steige, je ungesünder sich jemand ernähre. Auf der ganzen Welt würden nämlich pro Jahr rund 11 Mio. Todesfälle mit ungesunder Ernährung im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus gebe es ca. 255 Mio. sogenannter DALYs („disability-adjusted life years“), sprich Menschen, die in der Folge einer ungesunden Ernährung chronisch erkrankt sind – etwa an Bluthochdruck. Diese sind dann in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt und müssen ihr Leben lang Medikamente nehmen sowie sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Klar, ein hochwertiges Blutdruckmessgerät etwa kann man heutzutage recht einfach erwerben; blöd ist allerdings nur, dass man eine solche Abhängigkeit grundsätzlich eigentlich hätte vermeiden können.

Die GBD-Studie untersuchte Verbrauchstrends in 195 Ländern in den Jahren 1990 bis 2017. Dabei wurde erforscht, inwieweit in einem bestimmten Land eine als optimal definierte Menge an 15 Nahrungskomponenten verzehrt wurde. Dazu zählten etwa Vollkornprodukte, Nüsse, Früchte, Gemüse oder Samen. Das Ergebnis war, dass in keiner Region der Welt eine optimale Menge jener Komponenten konsumiert wurde. Das Muster: Je geringer der Konsum dieser Produkte, desto höher fiel die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate aus; ein Übergebrauch an Fleisch, Zucker und Salz beförderte dies noch.

Allein in Deutschland, so die Studie, gebe es auf 100.000 Einwohner 162 Todesfälle pro Jahr, die auf eine ungesunde Ernährung zurückzuführen seien. Als größter Risikofaktor für Krankheit und Tod wurde hier insbesondere der zu geringe Konsum von Vollkornprodukten identifiziert.

Soziale Herkunft, Bildung und Gesundheit korrelieren

Die Frage, die man sich letztlich stellen muss, lautet: Wie kann man dieser Entwicklung entgegenwirken bzw. vorbeugen?
Dabei könnte eine bereits seit längerem öffentlich bekannt gemachte, wissenschaftliche Erkenntnis weiterhelfen: Ungesunde Ernährung hängt mit der sozialen Herkunft sowie mit dem Bildungsniveau von Menschen zusammen. So korrespondieren die Ergebnisse der GBD-Studie beispielsweise auch mit einer Untersuchung des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital. Hier wurde nämlich festgestellt, dass die Höhe des Lebensalters weniger mit der Höhe des Einkommens als vielmehr mit dem Bildungsniveau zusammenhängt. Dies deshalb, weil eine höhere Bildung einen gesünderen Lebensstil nach sich zieht und in der Folge eben die Lebenserwartung anwachsen lässt.
Auch die vom Bundesverbraucherministerium im Jahre 2008 publizierte „Verzehrstudie“ zeigt eine deutliche Korrelation zwischen Bildung und Ernährungsverhalten. So waren etwa 70 Prozent der Personen mit einem Hauptschullabschluss zu dick; bei den Abiturienten traf dies »nur« auf die Hälfte zu. Grundsätzlich zeigte sich: Je niedriger die soziale Schicht, desto höher der Anteil übergewichtiger Personen.
Damit ist eines klar: Die größte Stellschraube im Kampf gegen ernährungsbedingte Erkrankungen und Todesfälle muss vor allem die Bildung sein. Daraus folgt auch: In der Verantwortung ist hier die Politik, nicht der oder die Einzelne.

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