Egal ob Konzert, Festival oder Fußballspiel, das Mitführen von Glasflaschen oder Servieren von Getränken in Gläsern ist vielerorts untersagt. Dazu geführt haben zahlreiche Unfälle, Schnittverletzungen und Scherbenhaufen, die nach den Veranstaltungen zurückgelassen wurden.

Scherben können zu Geschossen werden

Erstmals wurde das Glasverbot 2010 in Köln eingeführt. Gemeinsam mit Polizeioberrat Volker Lange entwickelte die Stadt gemeinsam mit der Polizei und dem Festkomitee des Kölner Karnevals das Konzept „Straßenkarneval in Köln – Mehr Spaß ohne Glas“. Grund dafür war die Anregung des Einsatzleiters Lange, welcher im Dienst schon mehrfach mit Glasflaschen beworfen und attackiert wurde. Die Folgen eines solchen Angriffs können verheerend sein, denn die scharfkantigen Scherben der zerberstenden Gläser und Flaschen können zu regelrechten Geschossen werden. Und auch die am Boden zurückbleibenden Scherbenhaufen stellen eine Verletzungsgefahr für Partygäste und Beamte dar. Sollen randalierende Gäste festgenommen werden, wird außerdem der Polizeieinsatz durch zerbrochene Gläser und Flaschen erschwert: „Wenn alles voller Scherben liegt, kann man nicht einfach jemanden zu Boden bringen und fesseln – der verletzt sich doch dabei“, erklärt Lange.

In Köln gilt deshalb ein strenges Glasverbot in der Partyzone der beliebten Karnevalsveranstaltung: Wer sich nicht daran hält, dem drohen empfindliche Strafen: Bis zu 60 Euro Bußgeld müssen Privatpersonen zahlen; für Kioskbetreiber und Gastronomen werden Geldstrafen von bis zu 1.000 Euro fällig – bei Wiederholung sogar bis zu 5.000 Euro.

Positive Bilanz in vielen Städten

Doch nicht nur in Köln, in ganz Deutschland hat sich das Verbot für Glasbehältnisse auf Großveranstaltungen weitestgehend durchgesetzt. Mit durchaus positiven Folgen, denn wie verschiedene Studien zeigen, gibt es auf Veranstaltungen mit Bierbechern aus Plastik statt Glas deutlich weniger Verletzungen. So wurden zum Karneval in Düsseldorf vor den zeitlich begrenzten Glasverboten über 200 Schnittverletzungen gezählt, noch deutlich häufiger kam es zu platten Reifen an Auto oder Fahrrad. Nach Einführen von Plastikbechern und Dosen kam es zu lediglich dreizehn Fällen, in denen sich Personen an Glas verletzten – meist durch mitgebrachte Getränke. Der Sprecher der Nürnberger Polizei Andreas Czogalla spricht sich offen für die wesentlich sichereren Bierbecher aus Plastik aus: „Je weniger Glas es gibt, desto besser.“ Czogalla erinnert sich noch gut an Zeiten, an denen an Karneval regelrechte Scherbenteppiche die Nürnberger Straßen bedeckten: „Das Glas lag Zentimeter hoch.“.

Und das Einführen von Plastikbechern auf Großveranstaltungen hat noch einen anderen Vorteil – auch für Vierbeiner sinkt die Verletzungsgefahr durch Scherben. Während Festivalgelände und Karnevalsmeilen nach der Veranstaltung häufig nur mit Pfotenschutz betreten werden konnten, ist die Zahl der durch Bruchglas verursachten Verletzungen an Hunden und Wildtieren seit Einführung des Verbots deutlich zurück gegangen.

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