Blaue Plakette: Ab 2019 könnten Abgassünder aus der Innenstadt verbannt werden

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Stickstoffdioxidwerte Würzburg/Stadtring Süd / Daten: Umweltbundesamt

Die Bundesregierung plant, voraussichtlich ab 2019 Dieselfahrzeuge, die nicht die Norm Euro 6 erfüllen, aus verschiedenen Innenstädten auszusperren – darunter auch Würzburg. Laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gibt es keine Alternative.

In vielen deutschen Städten haben die Stickstoffdioxidwerte längst die zulässigen Grenzwerte erreicht – teilweise sogar überschritten. Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3). Laut den Daten des Umweltbundesamtes wurde dieser Wert in Würzburg dieses Jahr gleich dreimal überschritten.

Stickstoffdioxidwerte Würzburg/Stadtring Süd / Daten: Umweltbundesamt

Seit Jahren werden Maßnahmen gesucht, um die Situation in den Griff zu bekommen – vergebens. Je länger die Stickstoffdioxidwerte auf einem hohen Niveau bleiben, desto mehr leiden die Bewohner der Städte darunter. Es ist allgemein bekannt und durch Studien belegt, dass Stickstoffdioxid die Atemwege reizt und Herzkreislauferkrankungen herbeiführen kann.

Eine neue Plakette soll das Problem lösen

Es gibt eine Lösung für das Problem, jedoch ist diese nicht kurzfristig flächendeckend umsetzbar: Die Einführung neuer, sauberer Dieselfahrzeuge. Eine akzeptable Luftqualität würde man dadurch laut Hendricks erst ab 2030 erreichen. Laut der Europäischen Union gibt es zwei Alternativen: Das Dieselsteuerprivileg abbauen oder den Autoverkehr einschränken.

Die erste Lösung findet in Deutschland keine Anhänger, weshalb nur noch die Zweite infrage kommt. Die Einschränkung des Autoverkehrs ist mit einer neuen, voraussichtlich blauen Plakette möglich. Bereits im April wurde Bundesumweltministerin Hendricks von den 16 Landesumweltministern im Rahmen der Umweltministerkonferenz aufgefordert, entsprechende Rahmenbedingungen für eine neue Plakette zu schaffen.

Wie eine blaue Plakette Würzburger betreffen könnte

Ob in Zukunft auch Würzburger Autofahrer den Stadtring Süd meiden müssen, ist aktuell nicht zu sagen. Fakt ist, dass in Deutschland mehr als jeder vierte Pkw von einem Dieselmotor angetrieben wird – und ein Großteil erfüllt nicht die Euro–6-Norm. Zutritt in Städte, in denen die blaue Plakette gilt, haben Euro–6-Dieselfahrzeuge beziehungsweise Benzin- und Elektroautos mit Euro 4 oder 5.

Durch die Einführung der neuen Plakette ist auch eine Verkaufswelle für ältere Pkw zu erwarten. Autofahrer, die nicht bis 2019 warten möchten, können bereits heute ihr Dieselfahrzeug veräußern und eine Alternative erwerben. Unter dem Motto Wir kaufen dein Auto in Würzburg bietet das Portal wirkaufendeinauto-wuerzburg.de Autobesitzern die Möglichkeit, ihr Dieselfahrzeug kostenlos bewerten zu lassen. Im Anschluss an eine ungefähre Online-Preisschätzung erfolgt die genaue Preisermittlung, wenn Autofahrer den Standort in Würzburg besuchen und ein Experte das Fahrzeug beurteilt.

Der frühzeitige Verkauf des Fahrzeugs mag auf den ersten Blick übereilt klingen, schließlich gibt es noch keine klaren Beweise dafür, dass in Würzburg die blaue Plakette eingeführt wird. Da Würzburg zu den Städten gehört, die auf der Liste des Bundesumweltministeriums stehen, in denen zu hohe Schadstoffwerte gemessen werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es ein Fahrverbot geben könnte. Wer dann sein Fahrzeug zur Einführung des Fahrverbots verkaufen möchte, wird große Probleme damit haben, schließlich wird es nur wenige Abnehmer geben.

Würzburg muss prüfen, ob die Einführung sinnvoll ist

Grund zu Besorgnis gibt es bei Dieselfahrzeugbesitzern in der unmittelbaren Zukunft nicht. Laut Hendricks wird es die ersten Fahrverbote voraussichtlich erst ab 2019 geben – und diese wären nicht bundesweit gültig, wie sie in einem Interview mit auto motor und sport erklärte. Jede Stadt hat zu prüfen, ob und wie sie eine neue Plakette einführt. Laut des Bundesumweltministeriums zählt Würzburg zu den vielen Städten in Bayern, in denen die Schadstoffbelastung zu hoch ist. Es ist möglich, dass hier in absehbarer Zeit neue Umweltzonen entstehen werden.

In Würzburg gibt es derzeit zwei Messstellen: Stadtring Süd sowie Kopfklinik. Probleme gibt es nur am Stadtring, wo der Grenzwert von 40µg/m³ in diesem Jahr mehrmals überschritten wurde. Am Universitätsklinikum wurde in diesem Jahr der Grenzwert von 40µg/m³ einmal erreicht (11.03.2016) und einmal überschritten (18.03.2016).

Die Stadt Würzburg hat bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Feinstaubbelastung zu senken. Seit dem 1. Februar 2016 dürfen Lastwagen über 3,5 Tonnen den Stadtring Süd nicht länger befahren (Lieferverkehr ausgenommen). Das Fahrverbot ist eine prompte Reaktion der Verantwortlichen, nachdem 2015 in diesem Bereich hohe Werte gemessen wurden.

Die Autoindustrie hat zu spät gehandelt

Fahrzeugbesitzer, die 2015 einen Euro–5-Diesel gekauft haben, werden kaum bereit sein, ihn so früh abzugeben. Seit September 2015 werden Euro–6-Fahrzeuge zugelassen, jedoch war die Norm allgemein bekannt. Wer ein Fahrzeug kaufen wollte, hätte sich beim Händler über neue Euro–6-Dieselfahrzeuge informieren können. Es gibt Fahrzeughersteller, die Euro–6-Modelle frühzeitig eingeführt haben. Nach Ansicht von Barbara Hendricks haben viele Autohersteller zu spät reagiert. Viele würden nur nach Druck reagieren – und dann erst in letzter Minute.

Selbst diejenigen, die auf einen Euro–6-Diesel umsteigen möchten, haben es nicht einfach. Die Fahrzeuge sind aktuell nicht besonders erschwinglich, da die Euro–6-Technologie den Fahrzeugpreis um mehrere hundert Euro hochtreibt. Insbesondere Pendler könnten sich zunehmend nach einer Alternative umsehen. Eine solche wären E-Autos sein, für die eine Förderung beschlossen wurde. Um Verbraucher von diesen Fahrzeugen zu überzeugen, muss jedoch das Netz an Schnellladestationen ausgebaut werden. In puncto Privilegien gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Stadt Würzburg ihre Busspuren für Elektroautos öffnen möchte. Laut Stadtsprecher Georg Wagenbrenner wäre es sinnlos, da es in Würzburg wenige solche Spuren gibt. Auch kostenlose Parkplätze sind derzeit nicht geplant. Derzeit konzentriere man sich darauf, Ladestationen zu schaffen.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Würzburg seine Schadstoffbelastung senken an. Ohne konkrete Pläne zur Schadstoffreduzierung wäre die blaue Plakette der einzige Ausweg für die Stadt.