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Kitzingen: Stadtrat entscheidet über Aberkennung der Ehrenbürgerwürde

vor einem Monat in Lokales
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Der ehemalige Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Wilke könnte seine Ehrenbürgerwürde aberkannt bekommen. Darüber will am Donnerstag Abend ab 18.30 Uhr der Kitzinger Stadtrat beschließen. Hintergrund ist Wilkes Verhalten während der NS-Zeit. Verschiedene Dokumente belegen, dass er sich seit 1933 intensiv mit den Nationalsozialisten arrangiert hat – vor allem, um selbst nicht an Macht in der Stadt zu verlieren.

Besonders der Fall „Benno Oppenheimer“ zeigt Wilkes fehlende Distanz zum damaligen Regime: Der jüdische Kitzinger Viehhändler kam 1933 auf Anordnung Wilkes in Schutzhaft, angeblich, weil er Kontakte zu Kommunisten pflegte. Oppenheimer wurde kurz darauf ins KZ Dachau verlegt. Mehrere Gesuche um Haftentlassung lehnte Wilke ab. Im Jahr 1940 nahm sich Benno Oppenheimer verzweifelt in Dachau das Leben.

Dass sich der Kitzinger Stadtrat für eine Aberkennung der Ehrenbürgerwürde Wilkes entscheidet, ist laut Oberbürgermeister Stefan Güntner nur noch reine Formsache. Bereits im September hatte der Stadtrat mit 27:0 Stimmen aus den gleichen Gründen die Umbenennung der Siegfried-Wilke-Straße beschlossen.

Siegfried Wilke war von 1930 bis 1945 Bürgermeister von Kitzingen, von 1952 bis 1958 war er dann Oberbürgermeister. Für seine Verdienste wurde er mehrfach geehrt. 1956 erhielt er beispielsweise das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und anlässlich seines 70. Geburtstages machte ihn die Stadt im Jahr 1961 zum Ehrenbürger.